Qual der Wahl

Die Liste, endlich: Die Liste! 1,2,3..12 stehen da also. Hm. Mal Augen reiben. Hier stehen aber 14 herum. Na ja, tollen herum. Balgen sich. Manch einer treibt’s auch mit dem Ball. Wo kommen die zwei Überzähligen her? Und wer von denen ist überhaupt überzählig? Vielleicht liegt es auch am Papier? Papier ist geduldig. Und bis es einer auf die Liste schafft, dauert es halt. Also, wer von Euch steht hier nicht auf meiner Liste?

„Ich! Ich bin eigentlich E2. Warum muss ich in der E4 spielen?“ – Vielleicht weil Du leicht übergewichtig bist? Oder Dich zu langsam bewegst? Und was heißt überhaupt E2? Du bist ja fast ein 1998er. Könntest fast noch F spielen. Egal. Du bist jetzt hier.“
 

„Aha, du bist auch nicht auf der Liste. Und ein Trikot hast Du auch noch nicht. Bist Du neu? Für das Spiel am Samstag brauchst Du aber ein Trikot.“ – „Samstag kann ich selten. Mein Papa hat nicht immer Zeit.“ „Und deine Mama?“ – „Hat keine Lust, mich hierher zu begleiten“. „Ach so. Toll“.

Die Liste mal im Geiste durchgehen: 5 1996er, 2 1998er, 7 1997er. Der Torwart ist gesetzt. Wenn stelle ich in die Startformation bei 6+1? Zuerst die 96er und fülle mit 1997er auf? Oder ich nehme die Kräftigeren und lasse die Schmächtigeren draus? „Ach so, Ihr wollt alle im Sturm spielen. Ah ja, jeder will Kapitän sein. Mal eine Frage: Wer von Euch hat schon mal einen Fußball gesehen? Und was ist ein Pass? Nein, kein Personalausweis. Also schön ruhig, gespielt wird da, wo ich Euch hinstelle...“ – „Aber ich will Kapitän sein“ – „Darf ich Kapitän sein, bitte. Ich habe auch eine Kapitänsbinde“ – „Nein, ich, ich...“ – „Ich will aber Mittelstürmer spielen!“ – „Und ich Libero“....

„Schluss jetzt!. Du spielst rechter Verteidiger, Du links...“. – „Und ich, ich will auch mitspielen!“ – „Nein, Du bist erst mal auf der Bank“ – „Und wann komm ich dran?“ – „Ihr kommt alle dran!“ – „Aber ich will im Sturm spielen“ ....

22.5.07 12:47, kommentieren

Mal durchzählen

Also, wen haben wir da? 3 Türken, zwei Polen, einen aus Afrika, genauer aus Eritrea, der ging schon mit meinem Sohn in den Kindergarten, und ein paar Eingeborene: 1, 2, 3. Mit Bestimmtheit kann ich das nur von einem sagen. Schließlich mein Sohn. Hm, Multikulti. Schade, dass kein Italiener dabei ist, da könnte ich ab und zu mein Italienisch üben. Aber Deutsch verstehen sie scheinbar alle. Irgendwie. Wenn sie verstehen wollen, oder zuhören. Oder gerade nicht irgendwas anderes machen. Raufen zum Beispiel. Anschreien wirkt bestimmt immer. Oder auch nicht. Vielleicht sollte ich mir auch eine Pfeife besorgen. Und ein Megafon. Ja, ein Megafon. Das könnte ihre passiven Deutschkenntnisse wesentlich verbessern. Ah, da kommt ja noch einer. Uneindeutiger Herkunft. Könnte ein Türke sein. Was weiß ich. Egal. Immerhin versteht er Deutsch. Gleich mal ausprobieren: „Guten Abend, der Herr, wünsche wohl geruht zu haben. Training ist um 17.30 Uhr. Und nicht um 18.00 Uhr. Verstanden?“. Ah, er nickt. Ganz ohne Megafon. Verstanden hat er es anscheinend. Aber von der Theorie zur Praxis ist es ja bekanntlich ein weiter Weg. Wir sehen mal.

Wo waren wir stehen geblieben? 10. Hm, für 6+1 gerade so. Moment, wo kommt denn heute der schwarze Krusselkopp her? Gleich mal Sprachtest machen, mal ansprechen: „Wie, der Herr gehören zur Truppe?. Christopher heißt Er? Fein. Wir trainieren 2x die Woche. Und regelmäßig, Nicht nach Lust und Laune. Verstanden?“. Nickt. Prima. Und ich musste nicht mal schreien. Aber bestimmt auch so ein Theoretiker. Also 11.

Ah, im Tor ist ja auch noch einer. Brav. „Wie heißt Er? Wie? „Cheffkett“? Ahso. Buchstabier mal? Sevket. Ach so. Ah, Türkisch.” Gut, auch ein Tormann. 12. Nißchen klein, aber in Torwartvollmontur. Und bei Dienstbeginn schon da. Vielleicht ist das ein Praktiker.

Holla, heute sind ja noch zwei andere da. Ein Großer und ein Kleiner. Möglicherweise Eingeborene. Zumindest sehen sie so aus. Aber was heißt das schon? Gleich mal Sprachtest machen: „Guten Abend, die Herren, was führt Sie zu uns? Das Training, so, so? Und wo waren die Herrschaften beim letzten Mal? Ach Sie haben mit der E2 beim FC Hinterwald gespielt? Wenigstens gewonnen? 0:13 verloren. Du meine Güte. Aber wie ein Fußball aussieht, wissen Sie? Gut das ist schon mal ein Anfang.“ Also 14. Langsam wird es unübersichtlich. Eine Liste muss her, eine Liste.....

21.5.07 11:26, kommentieren

Von einem, der ausgezogen wurde, das Fußballspiel zu lehren.

Wenn es der Kuh zu wohl wird, begibt sie sich aufs Eis. Wenn es einem alten Esel zu wohl wird, stellt er sich auf ein Fußballfeld. Oder er wird gestellt. Ich habe mich immer gefragt, wie wird man Jugendtrainer, jetzt weiß ich es.

Für alle die noch Anleitung brauchen: Schick’ Deinen Sohn oder Tochter zum Fußball, geh’ein paar mal hin und schau dir das Elend an, und lass dich dann nötigen eine Mannschaft zu betreuen, in dem man an Dein weiches Herz appelliert. Wenn Not am Mann ist, nehmen sie halt auch alte Esel, auch wenn ihre aktive fußballerische Erfahrung schon Jahrzehnte, ach was sage ich, gefühlte Jahrhunderte, zurückliegt. Anfangs, sagt man dir, ab und zu mal im Training mitmachen, damit man die Gruppen, besser aufteilen kann, dann kommen irgendwelche Spiele, dann Turniere, und schon verbringst du Deine Samstage oder Sonntage auf dem Platz, statt dich um die wirklichen wichtigen Dinge zu kümmern. . „Du könntest doch ab und an mal im Training aushelfen.“ – „Hm, ich habe nicht so viel Zeit“ – „Muss ja nicht regelmäßig sein.“ – Ich überleg’s mir“. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf...

(to be continued)

18.5.07 10:17, kommentieren